Bruno Klomfar Fotografie
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Exhibition Merano Arte - Dietrich | Untertrifaller
Exhibition Merano Arte
Dietrich | Untertrifaller

Ausstellung in Meran | 25. Jänner - 30. März 2008

Das neue Festspielhaus in Bregenz machte Helmut Dietrich und Much Untertrifaller zu Stars der österreichischen Architekturszene. Nun stellen die Vorarlberger ihr Werk in Meran erstmals zur Diskussion.

Wenn James Bond demnächst von seinen Widersachern über die Bregenzer Seebühne gejagt wird, dürfte sich neben der Handlung vielen Zuschauern wohl auch die spektakuläre Szenerie einprägen. Doch mindestens so faszinierend wie das über dem Wasser sich auftürmende Bühnenbild ist das Festspielhaus selbst, das mit skulpturaler Präsenz aus einem urbanistischen Hinterhof einen Ort von grosser Ausstrahlung machte. Mit ihm besitzt Bregenz nach Peter Zumthors gläsernem Kunsthaus-Kubus ein weiteres baukünstlerisches Highlight, das im globalen, von einprägsamen Bildern lebenden Architekturwettstreit mithalten kann. Erstaunlicherweise handelt es sich bei diesem collageartig zusammengefügten Gebäude nicht um das reife Werk eines Architekten. Vielmehr ging es hervor aus einem frühen Wettbewerbsprojekt, das die beiden heute gut fünfzigjährigen Bregenzer Architekten Helmut Dietrich und Much Untertrifaller 1992 zusammen erarbeitet hatten. Im Hinblick auf die Realisierung des ersten Bauabschnitts gründeten sie 1994 ein gemeinsames Büro in Bregenz, mit dem sie in jüngster Zeit so erfolgreich waren, dass sie Niederlassungen in Wien und St. Gallen eröffnen konnten.

Vorarlberger Tradition

Neben dem Bregenzer Grossauftrag befassten sie sich – ganz den regionalen Gepflogenheiten entsprechend – zunächst vor allem mit Einfamilienhäusern, in denen sie die zeitgenössische Formensprache oft in Holz materialisierten und damit Eigenheiten der bis in die 1970er Jahre zurückreichenden neuen Vorarlberger Architektur weiterentwickelten. Das festigte ihren Ruf ebenso wie die Tatsache, dass sie aufmerksam auf die Vorstellungen der Bauherren eingehen und stets perfekt ausgeführte Arbeiten abliefern. Obwohl das Büro inzwischen mit Aufträgen überschüttet wird, finden Dietrich & Untertrifaller weiterhin Zeit, an Wettbewerben teilzunehmen. So vermochten sie sich 2004 mit ihrem Projekt einer neuen Hochschulsportanlage der ETH Zürich auf dem Hönggerberg gegen illustre Konkurrenten durchzusetzen. Wenig später konnten sie mit dem neuen Reka-Feriendorf in Urnäsch ihren ersten Grossauftrag in der Schweiz vollenden: eine kammartige Anlage, die sich entschieden vom alten, aus schönen Einzelhäusern bestehenden Dorfkern abhebt und beweist, dass die Bregenzer mitunter auch in schönen Landschaften harte Akzente zu setzen wagen.

Den bisherigen Höhepunkt ihrer Karriere markierte der 2006 vollendete zweite Teil des Bregenzer Festspielhauses. Dieser antwortet dem älteren, von einem industriell anmutenden Schwebebalken dominierten Verwaltungsbau mit der geschliffenen Eleganz der Theaterfassade, die sich auf einen neuen Platz öffnet und dem Haus eine spannungsvolle Mehransichtigkeit verleiht. Im vergangenen Jahr konnten sie dann auch den Wienern, die sich der Provinz gegenüber gerne etwas hochnäsig geben, ihre Meisterschaft bewiesen: mit der Erweiterung der Wiener Stadthalle um ein schnittig polygonales Musiktheater, das sich bald dem Nachkriegs-Meisterwerk von Roland Rainer anzuschmiegen, bald ihm die Zähne zu zeigen scheint.

Spektakuläre Formen und baukünstlerische Innovationen um jeden Preis sind aber nicht die eigentlichen Anliegen von Dietrich & Untertrifaller. Viel lieber konzentrieren sie sich auf baumeisterliche Präzision und Detailsorgfalt, die sie dank den hohen handwerklichen Standards in Vorarlberg leicht verwirklichen können. Exemplarisch mag dafür die 2007 abgeschlossene Erweiterung des Angelika-Kauffmann-Museums in Schwarzenberg stehen, bei der beste Schreinerarbeit und Stahlbautechnik zusammenfinden. War für diesen Umbau der Scheune eines ehemaligen Bauernhauses zum stimmungsvollen Ausstellungsraum das Zwiegespräch mit der Baukultur des Bregenzerwaldes entscheidend, so holen die ganz in der Tradition der alemannischen Streusiedlungen präzis am sonnigen Hang oder in aussichtsreicher Höhe placierten Villen ihre Kraft aus dem Dialog mit dem Ort und der Topografie. Aber auch den Umgang mit schwierigen städtischen Situationen beherrschen Dietrich & Untertrifaller: In Bregenz setzten sie die urbanistische Körnung der von Bahntrassee und Strasse bedrängten seeseitigen Vorstadt überzeugend fort mit einem Büroturm und drei über einem verglasten Sockel liegenden Wohnbauten, von deren Balkonen man einen Traumblick über Österreichs Riviera hat.

Analyse und Interpretation

Nun stellen Dietrich & Untertrifaller ihr baukünstlerisches Schaffen in einer sachlichen Schau im Ausstellungshaus «Kunst Meran» zur Diskussion. Diese Meraner Institution widmet sich seit Jahren nicht nur der zeitgenössischen Kunst, sondern auch der Architektur und ist damit zu einem wichtigen Forum für Baukunst im Alpenraum geworden. Die Ausstellung vermittelt einen Überblick über 14 wichtige Projekte sowie kleine Bauten, die das Büro seit Mitte der neunziger Jahre realisiert hat. Thematisch nach Kulturbauten, Schulen, Geschäftshäusern sowie Wohnanlagen gegliedert, nähert sich die Präsentation dem Werk von Dietrich & Untertrifaller mittels eines Bilderreigens des Vorarlberger Architekturfotografen Bruno Klomfar, der sich im dritten Stock zu einer Hymne an das Einfamilienhaus steigert. Vertieft wird diese bildhafte Vergegenwärtigung der gebauten Werke mit Modellen, aber auch mit Plänen, die auf kleinen Tischen aufgezogen sind. Diese minimalistischen, aus immer wieder anderem Holz oder Metall gefertigten Möbel verwandeln die Ausstellungsräume in eine einheitliche Installation, die zeigt, dass es nicht grosse Erfindungen sind, mit denen die beiden Vorarlberger brillieren. Das Geheimnis ihres Könnens liegt eher in der bedächtigen Analyse und der pragmatischen Uminterpretation internationaler Trends. Aus dieser Strategie resultieren jedoch keine epigonenhaften Arbeiten, sondern Bauten, die stets eine Bereicherung des Ortes darstellen – oder aber diesen ganz neu definieren.

Text: Roman Hollenstein
http://www.kunstmeranoarte.org